Prof. Dr. Eckart D. Stratenschulte

Prof. Dr. Eckart D. Stratenschulte

Leiter der Europäischen Akademie Berlin

Prof. Dr. Eckart D. Stratenschulte
Leiter der Europäischen Akademie Berlin

Deutsche Städte schrumpfen, die Verwaltung lässt ganze Häuserzeilen abreißen. Nordafrikanische Städte wachsen, und da die Stadtoberen mit der Planung und dem Bau nicht schnell genug reagieren können, entstehen wilde Siedlungen. Die europäischen Gesellschaften werden immer älter, die nordafrikanischen immer jünger. Ganz klar: Die Verhältnisse nördlich und südlich des Mittelmeers sind unterschiedlich. Und da soll man etwas voneinander lernen können? Ja, man kann. Das ist vielleicht die interessanteste Erkenntnis aus dem Projekt Baladiya, das Stadtplanerinnen und Stadtplaner aus Marokko und Tunesien zweimal für über vier Wochen nach Berlin geführt hat. Viele der nordafrikanischen Gäste haben zudem noch zwei Wochen in einer deutschen Stadtverwaltung hospitiert.
Herausgekommen ist dabei ein intensiver Austausch, von dem die Gäste aus dem südlichen Mittelmeerraum genauso profitiert haben wie die deutschen Gesprächspartner. 
Für die demokratische Transformation ist die Kommune wichtig. Hier leben die Menschen, hier werden sie von politischen Entscheidungen ganz unmittelbar betroffen und hier ist es am leichtesten, sich partizipativ einzubringen.
Deutschland hat viele Erfahrungen zu vermitteln, gute und auch schlechte. Altstadtsanierung, Verkehrsplanung, Öffentlich-Private Partnerschaften und die Reaktion auf den Klimawandel standen genauso auf der Tagesordnung der Gespräche und Besuche wie z. B. die Auseinandersetzungen um die Berliner Flughäfen BER und Tempelhof.

Neben dem fachlichen Austausch ist durch die Begegnungen ein Netz persönlicher Beziehungen und gegenseitigen Verstehens geknüpft worden, das über das konkrete Thema hinaus für die gemeinsame Gestaltung der Zukunft von Bedeutung ist. 
Dank gebührt allen, die zum Erfolg dieses Projekts beigetragen haben. Das sind die Robert Bosch Stiftung, der die Initiative und die finanzielle Basis zu verdanken sind, die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), die im Rahmen ihres Vorhabens CoMun Geld und Know-how beigetragen hat, die Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner in Deutschland, die aufnehmenden Kommunen und nicht zuletzt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die Job und Familie für eine Weile hintan gestellt haben, um nach Deutschland und zu weiteren Treffen in Algerien, Marokko und Tunesien zu kommen und diesen Diskurs zu führen.